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Gesundheit der Mitarbeiter: Menschen und Unternehmen tragen Verantwortung

Autorin Ulrike Reiche 

Ungünstige Arbeitsbedingungen machen Mitarbeiter krank. Um dies zu verhindern, müssen Unternehmen eine betriebliche Gesundheitskultur schaffen, in der die Führungskräfte auf die Mitarbeiter mehr achten.

 

Nicht bis zur Eskalationen warten

Innerhalb weniger Wochen fallen in einem Team zwei von acht Mitarbeitern mit Bandscheibenvorfällen für mehrere Monate aus. Als ein weiteres Teammitglied über starke Rückenschmerzen klagt und ärztlich behandelt werden muss, beauftragt der Personalbereich den Betriebsarzt mit einer Überprüfung der Arbeitsmittel.

Es stellt sich heraus, dass alle Arbeitsplätze ergonomisch einwandfrei eingerichtet sind. Doch in Mitarbeitergesprächen erfährt der Betriebsarzt, dass seit der letzten Reorganisation viele Arbeiten doppelt oder unnötig ausgeführt werden müssen. Obwohl seit Monaten eine 50 bis 60-Stunden-Wochen an der Tagesordnung ist und Pausen kaum noch wahrgenommen werden, türmen sich die Arbeitsberge. In einem Gespräch mit der zuständigen Führungskraft stellt sich heraus, dass diese die Überlastung längst erkannt und bislang vergeblich die Beseitigung ineffizienter Arbeitsprozesse in Nachbarbereichen eingefordert hatte. Erst als die Situation durch die Krankheitsfälle eskaliert ist, wird über die nächste Management ebene eine übergreifende Lösung und Neuordnung der Aufgabenverteilung bewirkt.

 

Gesundheit ist eine Managementaufgabe

Die Verantwortung für Gesundheit am Arbeitsplatz liegt gleichermaßen beim Mitarbeiter und bei den Führungskräften eines Unternehmens. Nach den Kriterien der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wird die Gesundheit des Einzelnen sowohl von der eigenen Arbeits- und Lebensweise als auch den jeweiligen Rahmenbedingungen beeinflusst. Zu den unternehmerischen Aufgaben zählen die Ausgestaltung des betrieblichen Umfelds mit geeigneten Arbeitsmitteln und die Implementierung einer entsprechenden Führungskultur und Prozessen.

Dieser Ansatz erfordert ein systematisches Gesundheitsmanagement, das weit über die Aufgaben eines Betriebsarztes hinausgeht. Einzubeziehen sind die Unternehmensleitung und Führungskräfte ebenso wie der Betriebsrat und die Personalabteilung. Da innerbetrieblich zahlreiche Akteure zu koordinieren sind, ist Know-how in der Organisationsentwicklung, Projektarbeit und Moderation unerlässlich. Zudem wird Gesundheit maßgeblich durch das Verhalten des Einzelnen beeinflusst. Damit ist es auch ein Thema der Personalarbeit. Gemeinsam mit qualifizierten Trainern und Coaches sind Bildungsangebote zu entwickeln, die die Vermittlung von Gesundheitswissen mit körperorientierten Methoden verknüpfen und ein gesundes Selbstmanagement fördern.

Nagelprobe Arbeitsalltag

Kritischer Erfolgsfaktor für die Einführung gesunder Arbeitsbedingungen sind die Führungskräfte. Nur wenn es gelingt, sie zu einem gesundheitsfördernden Führungsverhalten zu veranlassen, werden sich die guten Absichten der Unternehmensleitung mit Leben füllen. Hierfür sind neben speziellen Trainings für Führungskräfte vor allem klare Zielsetzungen und Anweisungen erforderlich.

Gesundheitsmonitor für Führungskräfte

  • Arbeitsdauer: Gehen Mitarbeiter pünktlich nach Hause, wenn sie ihre Arbeit getan haben? Oder herrscht eine Anwesenheitskultur, nach der man länger bleibt, nur weil andere noch am Schreibtisch sitzen?
  • Jahresurlaub: Wird bei der Urlaubsplanung berücksichtigt, dass mindestens einmal im Jahr mehrere Wochen am Stück genommen werden, damit eine nachhaltige Regeneration möglich ist?
  • Pausenzeiten: Gibt es genügend Pausen und werden Teamsitzungen weder zur Mittagspause noch nach Ende der Gleitzeit angesetzt?
  • Planbarkeit sportlicher Aktivitäten: Werden kurzfristig eingestreute Arbeitsaufträge oder Meetings vermieden, sodass feste Sporttermine in der Woche regelmäßig wahrgenommen werden können?
  • Gesundheitsförderliche Angebote: Umfasst die betriebliche Weiterbildung auch Maßnahmen, die eine der Gesundheit dienliche Selbststeuerung fördern? Mitarbeiter, die häufig krank sind, sollten angeregt werden, von betrieblichen Gesundheitsangeboten Gebrauch zu machen.
  • Achtsamkeit: Sind sich die Mitarbeiter ihrer eigenen Gesundheitsthemen bewusst, informieren sie sich und geben sie ihr Wissen an andere weiter?

Dieser Aufwand lohnt sich. Denn Gesundheit ist längst nicht mehr die Privatsache Einzelner, sondern ein harter Wirtschaftsfaktor. Zahlreiche Studien belegen, dass sich Gesundheitsförderung für Unternehmen finanziell messbar auszahlt. Darüber hinaus folgen Unternehmen, die betriebliche Gesundheitsförderung betreiben, automatisch dem Ruf nach nachhaltigem Wirtschaften. Sie machen deutlich, auf welche Werte sie sich beziehen. Damit trägt ein wertschätzendes Arbeitsumfeld zu einem attraktiven Employer Branding bei – und damit zur Bindung qualifizierter Fachkräfte, Kunden und Investoren.

Es dürfte im wirtschaftlichen Interesse eines jeden Unternehmens liegen, an einer Entwicklung zu partizipieren, von der der renommierte Zukunftsforscher Leo A. Nefiodow, Mitglied des Club of Rome, sagt:

„Gesundheit ist der erste globale Wirtschaftstrend, der keinen Rohstoff und keine Technik, sondern den Menschen selbst in den Mittelpunkt stellt.“

Quelle: http://www.yogainunternehmen.de/

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